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16.08.04

Das Hanfmobil tourt durch die Schweiz

Am kommenden Wochenende fällt der Startschuss zur ersten Hanftour. Erste Station ist Solothurn, wo der Nachtschatten Verlag von Hanftour-Organisator Roger Liggenstorfer seinen Sitz hat. Am Montag nimmt das knallrote Hanfmobil den Weg durch zwölf Städte der Deutschschweiz unter die Räder.

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Die letzten Sponsoren-Logos sind auf dem knallroten Hanfmobil angebracht. Das reichhaltige Sortiment, mit dem der zum mobilen Hanfwarenhaus umfunktionierte Londonbus durch die Schweiz touren wird, ist angeliefert. Und auch die detaillierte Planung für die ersten drei Städte steht mehr oder weniger. "Es kann losgehen!" freut sich Hanftour-Organisator Roger Liggenstorfer. Dem umtriebigen Gründer des Solothurner Nachtschatten Verlags ist der Stress der vergangenen Wochen kaum anzusehen. "Es war schon aufreibend, all die freiwilligen Helfer sowie die beteiligten Läden, Kinos und Restaurants vor Ort zu koordinieren", sagt er. Bewilligungen mussten eingeholt und Podiumsteilnehmer eingeladen werden. Anfragen von Medien wollten beantwortet sein, verärgerte Anrufer verlangten nach einer Erklärung, wieso das Hanfmobil nicht in ihre Region komme. "Aber jetzt überwiegt die Freude."

Solothurn ist die erste von zwölf Deutschschweizer Städten, in denen die Hanftour Station macht (siehe Kasten). Eigentliches Herzstück der Hanftour bildet das Hanfmobil, in dem sich das interessierte Publikum über die Vielfalt an Produkten informieren kann, die aus Hanf hergestellt werden: Lebensmittel, Kosmetika und Textilien. Natürlich können alle Hanfprodukte vor Ort getestet und gekauft werden. Ferner gibt es einen Infostand der Schweizerischen Hanfkoordination (SHK), eine Info-Show zu Mythen und Fakten rund um Cannabis sowie Podiumsdiskussionen mit lokalen und nationalen Prominenten und Experten. In Solothurn etwa zählt alt Bundesrätin Ruth Dreifuss zu den Podiumsteilnehmerinnen. Abgerundet wird das Programm jeder Hanftour-Station mit farbenfrohen Aktionen rund um das Thema Hanf: Läden zieren ihre Schaufenster mit Hanfprodukten, Restaurants servieren spezielle Hanfmenüs, lokale Kinos zeigen den Dokumentarfilm "Haschisch" von Daniel Gräbner.

Gegen die neue Verteufelung des Hanfs
Neben den kommerziellen Möglichkeiten will die Hanftour auch das noch weitgehend unerforschte medizinische Potenzial der Cannabis-Pflanze aufzeigen. "Die Debatte um das Betäubungsmittelgesetz hat dazu geführt, dass der Hanf von den drogenpolitischen Hardlinern verteufelt wurde", sagt Roger Liggenstorfer. "Das unglaubliche Potenzial dieser uralten Nutzpflanze ging dabei total vergessen." Das zu ändern und eine gesamtheitliche Betrachtung des Hanfs zu fördern, ist die Grundidee hinter der Hanftour. Die Hanftour unterstützt aber auch die "Initiative für ein vernünftige Hanfpolitik mit wirksamem Jugendschutz": Rund um das Hanfmobil werden Unterschriften für die Legalisierungsinitiative gesammelt. "Wir plädieren für die Freiheit des Menschseins und die Mündigkeit des Einzelnen", so der Hanftour-Organisator.

Es ist kein Zufall, dass der Startschuss zur Hanftour in Solothurn fällt. Die beschauliche Stadt an der Aare ist nämlich nicht nur Standort des Nachtschatten Verlags, der dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert. Schon lange vor der Gründung des auf Drogenaufklärung spezialisierten Buchverlags pflegte man in Solothurn grossen Wert auf Lebensart. Dazu gehört auch eine ausgeprägte Rauschkultur: Solothurn war lange Sitz der französischen Ambassadoren. Und die französische Genusskultur ist bis heute in Solothurn spürbar.

Heute hat Solothurn die grösste Beizendichte in der Schweiz. "Être sur Soleure" ist in der französischen Schweiz ein Synonym für beschwipst oder betrunken sein. Aber auch wenn es um illegale Drogen geht, ist der liberale Geist Solothurns spürbar: Der Kommandant der Solothurner Kantonspolizei, Martin Jäggi, setzt sich für die Drogenliberalisierung ein. Bereits 1992 verlangte Solothurn in einer Standesinitiative als erster Kanton die vollständige Legalisierung aller Drogen mit Staatsmonopol.

Die Stationen der HANFTOUR

SOLOTHURN
Hanfmobil: Fr, 20. bis Mo, 23. August, Klosterplatz
Lesung/Podium: 25. August, Hotel/Restaurant Krone, 19 Uhr

SCHAFFHAUSEN
Hanfmobil: Di, 24. und Mi, 25. August, Fronwagplatz
Lesung/Podium: Mo, 30. August, Bahnhofbuffet, 19 Uhr

ST. GALLEN
Hanfmobil: Fr, 27. August, Bahnhofplatz
Lesung/Podium: So, 29. August, Restaurant Walhalla, 19 Uhr

ZÜRICH
Hanfmobil: Di, 31. August und Do, 2. September, Rathausbrücke
Mi, 1. September, Helvetiaplatz
Lesung/Podium: Do, 2. September, Volkshaus, 19 Uhr

WINTERTHUR
Hanfmobil: Fr, 3., Sa, 4. und Mo, 6. September, Neumarkt
Lesung/Podium: Mo, 6. September, Albani, 19 Uhr

BASEL
Hanfmobil: Di, 7. September, Barfüsserplatz
Lesung/Podium: Do, 9. September, Volkshaus, 19 Uhr

BIEL
Hanfmobil: Fr, 10., Sa, 11. und Mo, 13. September, Zentralplatz
Lesung/Podium: Mo, 13. September, Farel-Haus, 19 Uhr

BRIG
Hanfmobil: Mi, 15. bis Sa, 18. September, vor der Mediathek, alte Simplonstrasse
Lesung: Do, 16., Podium: Fr, 17., Party: Sa, 18. September, jeweils im Alfred-Grünwald-Saal ab 20 Uhr

LANGNAU
Hanfmobil: Di, 21. und Mi, 22. September
Lesung/Podium: Mi, 22., Kupferschmitte, 19 Uhr

BADEN
Hanfmobil: Sa, 25. und So, 26. September, Bahnhofplatz
Lesung/Podium: Mo, 27. September, Merkker Areal, 19 Uhr

LUZERN
Hanfmobil: Mo, 27. bis Mi, 29. September
Lesung/Konzert: Do, 30. September, Boa-Halle, 20 Uhr

BERN
Hanfmobil: Fr, 1. Oktober, Waisenhausplatz; Sa, 2. und Mo, 4. Oktober, Helvetiaplatz
Lesung/Podium: Mo, 4. Oktober, Galaxy, 19 Uhr

Weitere Infos zur Hanftour sowie das laufend aktualisierte Programm finden Sie auf der Hanftour-Homepage

01.08.04

Cannabis-Mythen nüchtern betrachtet

Um kaum eine Pflanze ranken sich so viele Mythen und Legenden wie um den Hanf. Die us-amerikanischen Forscher Lynn Zimmer und John P. Morgan haben die Cannabis-Mythen Punkt für Punkt wissenschaftlich durchleuchtet. Ihr soeben im Nachtschatten Verlag erschienenes Buch "Cannabis-Mythen – Cannabis-Fakten" ist ein Muss für alle, die sich sachlich informieren und in der aktuellen Cannabis-Diskussion mitreden wollen.

cannabismythencover.jpg"Cannabis-Gebrauch führt zu Hirnschäden", "Kiffen macht passiv und apathisch", "Cannabis schädigt Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit", "Cannabis-Konsum kann zu psychischen Schäden führen", "Cannabis schädigt die Lungen stärker als Tabak", "Cannabis macht impotent und unfruchtbar" – die Liste der angeblichen schädlichen Wirkungen von Marihuana, Haschisch und Co. auf ihre Konsumenten ist damit längst nicht zu Ende.

Um kaum eine Pflanze ranken sich so viele Mythen wie um den Hanf (Cannabis indica/sativa). Besonders viele Horrorstorys und Ammenmärchen wurden von Politikern und Behörden in die Welt gesetzt, denen der zunehmende Cannabis-Konsum aus vielerlei Gründen ein Dorn im Auge ist. Aber auch Wissenschaftler boten und bieten immer wieder gerne Hand, wenn es darum geht, das beliebte Rauschkraut zu verteufeln. Mit der Wahrheit nehmen sie es dabei nicht immer genau.

Viele dieser Mythen haben ihren Ursprung in den USA, wo der Krieg gegen den Hanf besonders erbittert geführt wird. Aus den USA stammen auch die Autoren des Buches "Cannabis Mythen – Cannabis Fakten". Der Pharmakologe John P. Morgan und die Soziologin Lynn Zimmer haben sich die Mühe genommen, die Mythen und Legenden um den Hanf Punkt für Punkt zu durchleuchten und akribisch auf ihren wissenschaftlichen Gehalt zu prüfen. Dabei halten sich die Autoren selbst an die strengen Kriterien wissenschaftlicher Arbeit. Sie belegen jede ihrer Aussagen mit exakten Quellenangaben – die Literaturliste umfasst mehr als 60 Seiten.

Aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt und kommentiert wurde "Cannabis Mythen – Cannabis Fakten" (Originaltitel "Marihuana Myths – Marihuana Facts") von Claudia Müller-Ebeling, selbst Autorin zahlreicher Bücher zum Thema Drogen. Als Mitherausgeber der deutschsprachigen Ausgabe geht der bekannte Journalist und Autor Mathias Bröckers ("Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf"; "Cannabis") auf die hiesigen Rechtsverhältnisse und kulturelle Besonderheiten sowie auf jüngste Forschungsergebnisse aus dem europäischen Raum ein.

"Cannabis Mythen – Cannabis Fakten" liefert eine entmythologisierende und wissenschaftlich fundierte Neubewertung der Cannabis-Diskussion, die mit den vorherrschenden Klischees aufräumt und eine objektive Meinungsbildung ermöglicht. Gerade im Hinblick auf die anstehenden Abstimmungen in der Schweiz und die umstrittene Cannabis-Liberalisierung in Europa ist das Buch besonders wichtig: als fundierte Argumentationshilfe und als objektiver Diskussionsbeitrag.

"Cannabis Mythen – Cannabis Fakten. Eine Analyse der wissenschaftlichen Diskussion" – Mathias Bröckers, Lynn Zimmer, John P. Morgan, Nachtschatten Verlag, 2004; ISBN 3-03788-120-8, Preis: CHF 39.80